Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Petrolejové lampy“ / „Oil Lamps“ / „Eine Standesgemäße Ehe“

Tschechoslowakei, 1971

Bewertung: 4.5 von 5.

Štěpka ist dreißig Jahre alt und lebt gegen Ende des 19. Jahrhunderts in einem kleinen Ort im Riesengebirge. Sie wünscht sich nichts sehnlicher als zu heiraten und Kinder zu kriegen, jedoch sehen die Männer in ihr kein Ehefrauen-Material, ist sie doch überaus selbstbewusst, extrovertiert und lebenslustig. Aus Angst davor als „alte Jungfer“ zu enden, heiratet sie schließlich ihren Cousin und Jugendfreund Pavel, der gerade aus dem Krieg zurück gekehrt ist, doch die Ehe bringt ihr nicht das erhoffte Glück…
Juraj Herz‘ Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jaroslav Havlíček erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die an der Diskrepanz zwischen ihren Lebensträumen und den Rollenbildern der Gesellschaft, die sie selbst zu tief internalisiert hat, langsam zerbricht.
Kameramann Dodo Simoncic gelingt es kongenial die Symbolik der titelgebenden Öllampen aus Havlíčeks Erzählung in die Bildsprache des Films zu übertragen, so zum Beispiel während der nicht vollzogenen Hochzeitsnacht, wo die frisch getrauten Eheleute optisch durch eine im Vordergrund des Bildausschnittes stehende erloschene Öllampe getrennt werden.
Iva Janžurová, die dem deutschen Publikum wohl vor allem als Klavierlehrerin Frl. Müller aus der etwa zehn Jahre später entstandenen Serie „Die Märchenbraut“ bekannt sein dürfte, spielt die Rolle der Štěpka zwischen mitreißender Lebensfreude und ergreifender Verzweiflung mit ebenso großer Glaubwürdigkeit wie der leider viel zu früh verstorbene, vom Theater stammende Petr Čepek ihren Ehemann Pavel.
Diese fein beobachtete und ebenso erzählte Gesellschafts- und Charakterstudie lief wohl mal vor Urzeiten im DDR-Fernsehen unter dem Titel „Eine Standesgemäße Ehe„, eine Ausstrahlung in Westdeutschland oder gegenwärtige deutsche Veröffentlichung ist mir nicht bekannt.
So war es denn mal wieder das britische Label Second Run, das den Film als „Oil Lamps“ außerhalb Tschechiens auf Blu-ray in gewohnt wundertoller Qualität im Originalton mit optionalen englischen Untertiteln veröffentlicht hat, wo er sich nahtlos in den schon sehr umfangreichen Backkatalog slawischer Filmkunst als kleiner Geheimtipp einreiht.



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