USA, 1971
Jessica, gerade erst aus einer psychiatrischen Klinik entlassen, zieht mit ihrem Ehemann Duncan und dem gemeinsamen Freund Woody in ein altes Landhaus auf einer Insel, wo sie auf die Landstreicherin Emily treffen, die es sich, im Glauben das Haus sei verlassen, dort einquartiert hat. Aus Mitleid bittet Jessy die junge, geheimnisvolle Frau zu bleiben.
Doch irgendetwas scheint mit dem Anwesen nicht zu stimmen, Jessica hört Stimmen, sieht seltsame Dinge…
Der Film des amerikanischen Drehbuchautors und Regisseurs John Hancock ist ein oft und gern gesehener Gast auf Listen der gruseligsten Filme aller Zeiten und das sicherlich nicht zu unrecht. Jedoch bezieht er seine Wirkung weniger aus klassischen Schockmomenten als viel mehr aus seiner einzigartigen Atmosphäre, die aus dem perfekten Zusammenspiel zwischen der wunderschönen Kameraarbeit von Robert M. Baldwin, der minimalistischen aber wirkungsvollen Musik des Songwriters und Komponisten Orville Stoeber und dem eindringlichen Schauspiel der beiden Hauptdarstellerinnen Zohra Lampert und Mariclare Costello entsteht.
Das alles zusammen ergibt einen Film, der geschickt mit den Ebenen von Wahn und Wirklichkeit spielt und gleichzeitig näher an Sheridan le Fanus berühmter Novelle „Carmilla“ ist als alle europäischen Soft-Erotik-Vampir-Filme der 1970er zusammen, Harry Kümels brillanten „Blut an den Lippen“ mal ausgenommen, mit dem er durchaus in einer Liga spielt.
In Deutschland erfuhr der Film erst 1994 im Privatfernsehen seine Premiere und abgesehen von zwei weiteren Ausstrahlungen in den frühen 2000ern gab es für das deutsche Publikum keine Möglichkeit, dieses Kleinod des psychologischen Horrors zu sehen.
In den USA hingegen ist er jüngst bei Vinegar Syndrome als wunderschön restaurierte 4K-Disc erschienen, mit der seine (Wieder-)Entdeckung jede Menge Spaß macht.
P.S.: Wie ich gerade gesehen habe, läuft er dieses Jahr (2025) zu Halloween im Originalton in der Mitternachtsvorstellung in den Lichtspielen in Köln-Kalk. Einen besseren Termin könnte es kaum geben…

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