Deutschland, 1985/1987, 3 bzw. 6 Folgen
Im November 1941 bekommt das in La Rochelle stationierte deutsche U-Boot U 96 den Befehl auszulaufen, um im Nordatlantik britische Handelsschiffe zu versenken, die jedoch von Zerstörern beschützt werden. Begleitet wird der Einsatz vom Kriegsberichterstatter Leutnant Werner, was von der Mannschaft und dem Kommandanten kritisch beäugt wird.
Wolfgang Petersens Verfilmung des Romans „Das Boot“ von Lothar-Günther Buchheim, der auf dessen eigenen Erfahrungen als Kriegsberichterstatter basiert, kam zwar bereits 1981 als Film in die Kinos (und wurde für sechs Oskar nominiert, verlor aber gegen „Ghandi“ und „E.T.„), jedoch gehörte die Ausstrahlung der Langfassung als Fernsehdreiteiler 1985 und als 6teilige Serie 1987 zu den größten Ereignissen der deutschen Fernsehgeschichte der 1980er Jahre.
Wer einmal die Serie gesehen hat, kann die Filmfassung selbst im 1997 nachträglich erschienenen Director’s Cut nicht wirklich gut finden.
Durch die langen Einstellungen der Kamera des späteren Verhoeven-Bildzauberers Jost Vacano („RoboCop„, „Starship Troopers„), die auf den Gesichtern der Darsteller ruht, entsteht eine ganz eigene Stimmung, die sowohl die Anspannung als auch die zeitweise Langeweile der Crew nicht nur einfängt, sondern unmittelbar auf das Publikum überträgt. Umso intensiver wirken dann auch die Actionszenen (auf die sich die ursprüngliche Filmfassung hauptsächlich konzentriert), in denen die Kamera durch die engen Gänge des U-Boots rast.
Jürgen Prochnow als KaLeun und Klaus Wennemann als LI (zur Zeit der Fernsehausstrahlung bekannt als „Der Fahnder“ in Dominik Grafs gleichnamiger, wegweisender Krimiserie) führen einen Cast meist junger Schauspieler an, für die der Film oft den Durchbruch oder gar den Anfang der Karriere bedeutete, unter ihnen Martin Semmelrogge, Ralf Richter, Uwe Ochsenknecht, Heinz Hönig und Erwin Leder. Auch Herbert Grönemeyer, der den Kriegsberichterstatter Werner spielt, war zur Entstehungszeit des Films im Gegensatz zum Zeitpunkt der TV-Ausstrahlung noch kein großer Star.
Wolfgang Petersen bewies mit „Das Boot“ endgültig, nach seinen herausragenden Tatort-Folgen um den von Klaus Schwarzkopf gespielten Kommissar Finke, dem Thriller „Einer von uns beiden“ und gesellschaftskritischen Filmen wie „Smog“ und „Die Konsequenz„, dass er Kino bzw. Fernsehen auf internationalem Niveau zu drehen vermochte, wobei vor allem die Mischung aus eindringlicher Charakterzeichnung und atemloser Action zu begeistern weiß. Dass während seiner späteren Hollywood-Karriere vor allem letzteres von ihm gefragt war (und geliefert wurde) empfinde ich als überaus schade.

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