Deutschland, 2025
Nach den beiden Jim Knopf-Verfilmungen und seinem Ausflug ins Serienfach kehrt Dennis Gansel mit „Der Tiger“ zum Spielfilm zurück.
Im ersten Impuls wollte ich ja „ins Kino zurück“ schreiben, aber das wäre nur bedingt richtig gewesen, wurde der Film doch von Amazon produziert, wo er seit zwei Tagen auch im Streaming zu finden ist, und war vorab lediglich in ein paar Kinos der Cinestar-Kette zu sehen.
Thematisch und stimmungstechnisch knüpft Gansel dabei an die zuletzt von ihm inszenierte Fernsehserie „Das Boot“ (eine Quasi-Fortsetzung des Klassikers von Wolfgang Petersen) an und wechselt lediglich vom U-Boot zum Panzer.
Nur knapp hat die Besatzung eines Tiger-Panzers ihren Einsatz in Stalingrad überlebt, da werden sie auch schon auf eine Geheimmission entsandt, um einen der russischen Spionage verdächtigen hochrangigen Offizier aufzuspüren.
Das Zusammengepferchtsein unterschiedlicher Charaktere auf engem Raum, die damit verbundenen Reibungen aber auch die Kameradschaft untereinander, all das kommt einem all zu bekannt vor, darüber können auch die dicht inszenierten, allerdings ein bisschen wie an einer Perlenschnur aufgereiht wirkenden Spannungsmomente ebenso wenig hinwegtäuschen wie die kurz aufblitzende Kritik am brutalen Vorgehen der Wehrmacht auf ihrem Vernichtungsrückzug (das hat der russische Film „Komm und Sieh!“ vor vierzig Jahren deutlich besser hinbekommen).
Und dann ist da noch das Ende…
das Publikum wie Kritiker*innen spaltet, erweist sich doch die ganze Mission als nicht real sondern als Erfahrung des Befehl habenden Offiziers im Augenblick des Todes, wurde der Panzer in Stalingrad doch durch die Brückensprengung zerstört.
Dieser Twist, der im Übrigen ursprünglich auf die Erzählung „An Occurrence at Owl Creek Bridge“ des amerikanischen Schriftstellers Ambrose Bierce zurückgeht, ist nun wirklich nichts Neues mehr, auch nicht im Kriegsfilm (wie von einzelnen Kritiker*innen behaupten), eins denke nur an Adrian Lynnes beeindruckenden „Jacob’s Ladder“ von 1990 (der auch noch auf meinem to-be-reviewed-Stapel liegt), und die vorab gestreuten Hinweise machen selbst angesichts der stark religiös aufgeladenen Schlussszene mit ihrer Fegefeuersymbolik nur bedingt Sinn.
Unzuverlässiges Erzählen kann ein wunderbares Stilmittel sein, um einen Twist vorzubereiten, wie z.B. im meisterlichen „The Usual Suspects“ von Bryan Singer, verlangt aber viel Fingerspitzengefühl, damit sich das Publikum zum Schluss auch darüber freut und nicht ärgert, die ganze Zeit an der Nase herumgeführt worden zu sein. Und in meinen Augen ist genau das Dennis Gansel in „Der Tiger“ komplett missglückt.
Zudem fällt gerade im Vergleich zu Gansels vorherigen Auseinandersetzungen mit dem Themenbereich des Nationalsozialismus („Napola„, „Die Welle„) sein neuestes Werk doch erstaunlich eindimensional aus und auch als Antikriegsfilm mag oder will es nicht so recht funktionieren.
Als schön gefilmte, ordentlich gespielte und durchaus knackig inszenierte Variation auf „Das Boot“ ist es ganz unterhaltsam, aber mehr eben auch nicht, und je nachdem wie eins das Ende wahrnimmt, mag sich diese Erfahrung noch ins Negative oder Positive ändern.

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