Großbritannien, 2023
Der Schwarze Dragkünstler Jules will nach einem Auftritt eigentlich noch kurz eine rauchen, muss aber feststellen, dass er keine Zigaretten mehr hat und beschließt deshalb, noch geschminkt im nahegelegenen Laden welche zu kaufen. Dort wird er von einer Gruppe junger Männern schwulenfeindlich beleidigt, was er sich jedoch nicht gefallen lässt und dem Anführer Preston eine Retourkutsche gibt, woraufhin dieser ihm anschließend folgt und ihn brutal zusammenschlägt.
Von dem Erlebnis schwer traumatisiert gibt Jules seine Auftritte als Dragqueen auf. Fast ein Jahr später trifft er durch Zufall und zu seinem Erstaunen seinen Peiniger Preston in einer Schwulensauna wieder. Da dieser ihn ohne Drag allerdings nicht erkennt, reift in Jules ein perfider Racheplan…
„Femme“ ist der Debütlangfilm des britischen Regieduos Sam H. Freeman und Ng Choon Ping, basierend auf ihrem zwei Jahre zuvor entstandenen gleichnamigen Kurzfilm.
Nun sind Kurz- und Spielfilm ja, ganz ähnlich der Kurzgeschichte und dem Roman, unterschiedliche Gattungen mit grundlegend verschiedenen Erzähl- und Inszenierungsweisen, weswegen die Übertragung einer Idee von der Kurz- in die Langform nicht selten scheitert.
Bei „Femme“ ist dies zum Glück nicht der Fall, was aber auch daran liegt, dass die Regisseure nicht versucht haben, einfach die Handlung ihres Kurzfilms künstlich in die Länge zu ziehen, sondern lediglich die Personenkonstellation übernehmen, während sich die Geschichte selbst völlig anders entwickelt, so dass beide Filme als eigenständige Kunstwerke nebeneinander existieren können.
Nathan Stewart-Jarrett, bekannt aus den Serien „Misfits“ und „Utopia„, hatte bereits in einer Inszenierung von „Angels in America“ am Royal National Theatre die Drag Queen Belize gespielt und seine zurückhaltende und eindringliche Darstellung des Jules vermeidet jegliche Klischees zugunsten eines komplexen und glaubwürdigen Charakters. Der wunderbar gegen den Strich besetzte George MacKay („1917„) als Preston steht ihm jedoch in nichts nach und so entwickelt sich zwischen den beiden Figuren ein spannende und wendungsreiche wie auch ergreifende Beziehung.
Sam H. Freeman und Ng Choon Ping ist mit „Femme“ ein eine fesselnde Mischung aus Thriller und Drama gelungen, die sich mit Themen wie internalisierter Schwulenfeindlichkeit, toxischer Maskulinität und Revenge Porn auseinandersetzt.
In Deutschland bisher nur auf verschiedenen Streaming-Plattformen für kleines Geld zu finden, ist er in UK bereits als Blu-ray erschienen, wobei jedoch wohl leider die Chance vertan wurde, den Kurzfilm mit auf die Disc zu packen.

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