USA, 1976
„Up!“ ist eine filmische Absurdität, wie sie wohl nur Russ Meyer in seiner Spätphase (es sollte sein vorletzter Film sein) erschaffen konnte.
Adolf Hitler lebt unter dem Namen Adolph Schwartz unerkannt in einem Neuschwanstein nachempfundenen Schloss im Norden Kaliforniens, doch nach einer seiner regelmäßigen bi-sexuellen S/M-Orgien mit drei Frauen und einem als Hexenjäger verkleideten Mann wird er von einer schwarzgekleideten Gestalt mit Hilfe eines Piranhas in seiner Badewanne umgebracht.
Und das war nur die Eröffnungssequenz.
Was folgt ist ein Whodunit mit Anspielungen auf „Citizen Kane“ und „Psycho„, unterbrochen von wahrlich kunstvoll in Szene gesetzten Paaren beim Sex in der schönen kalifornischen Landschaft und kommentiert und erklärt von der nur mit kniehohen Lederstiefeln bekleideten Kitten Natividad, der damaligen Lebensgefährtin Meyers, als ein (dem antiken griechischen Theater entliehener) dramatischer Chor.
Meyer frönt dem (S)exploitationkino in vollen Zügen mit nackter Haut, Gewalt und rotem Kunstblut, bricht das Genre aber sowohl durch die bewusst künstlerische, unvoyeuristische Ausgestaltung der Zwischensequenzen einerseits, aber auch durch absurde Momente wie comichafte Geräusche und ironisch eingesetzte Musik andererseits, wenn sich zum Beispiel zwei Frauen (natürlich unbekleidet) zu den Klängen von Wagners „Walkürenritt“ gegenseitig durch den kalifornischen Mischwald jagen.
Der eine oder andere unglücklich auf Provokation ausgelegte Augenblick, wie die satirisch gemeinte Replizierung von Rassismus oder der missglückte Versuch sexuelle Gewalt komisch zu überzeichnen, sind zum Glück die absolute Ausnahme in diesem Film, trüben jedoch den Gesamteindruck ein wenig, zumal Meyer an anderer Stelle oft genug bewiesen hat, dass er diese Themen auch angemessen behandeln konnte (und wollte).
Insgesamt gesehen bleibt „Up!“ aber, auch wenn sich der Regisseur selbst davon in späteren Jahren rückblickend eher enttäuscht zeigte, ein Paradebeispiel für die unbegrenzten kreativen Möglichkeiten des amerikanischen Independent-Kinos der 1970er Jahre, auch wenn der deutsche Titel „Drüber, drunter und drauf“ klingt wie eine billige Sex-Komödie.
Die von Severin Films in Zusammenarbeit mit dem Meyer Trust Fund in den USA herausgegebene 4K-Disc präsentiert den Film nicht nur in all seiner farblichen und artifiziellen Pracht, sondern liefert auch obendrein zahlreiche aufschlussreiche Extras.

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