Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Possession“

Frankreich, Deutschland, 1981

Bewertung: 5 von 5.

Bedingt durch seine langen Abwesenheiten als Geheimagent haben sich Mark (Sam Neill) und seine Frau Anna (Isabelle Adjani) schon lange auseinander gelebt. Mark vermutet, dass seine Frau eine Affäre hat und beauftragt einen Privatdetektiv, der seinen Verdacht bestätigt, woraufhin sich Mark der Grundschullehrerin Helen zuwendet, die seiner Frau mehr als nur ähnlich sieht.
Der in Berlin gedrehte und spielende Film des polnischen Regisseurs Andrzej Żuławski wechselt mit fortlaufender Spielzeit mehr und mehr vom Psychodrama zum Body-Horror und gehört zu jenen Filmen, die selbst bei normal eingestellter Lautstärke dafür sorgen könnten, dass die Nachbarn die Polizei rufen. Nicht nur die berühmt-berüchtigte U-Bahn-Station-Szene geht weit über die akustische Schmerzgrenze hinaus.
Zwar war der Begriff der Tour-de-Force wohl selten passender als bei Zulawskis viertem Film, zugleich ist er aber eine gerade von Isabelle Adjani in ihrer Doppelrolle und dem großen Heinz Bennent als ihrem Liebhaber Heinrich ungemein pointiert gespielte und erzählerisch wie optisch (Kamera: Bruno Nuytten) perfekt durchkomponierte Charakterstudie, die mit ihren Doppelgänger-Motiven jene selbst-destruktiven menschlichen Verhaltensmuster aufzeigt, die sich mit jeder Wiederholung verfestigen, ohne dass wir sie als solche, noch ihre Gefährlichkeit, erkennen.
In den USA früher um sage und schreibe 45 Minuten, also fast ein Drittel, gekürzt und in England in einem Atemzug mit Filmen wie Abel Ferraras „Driller-Killer“ als „Video Nasty“ verschrien, ist „Possession“ jüngst bei Second Sight Films in UK als 4K-Sonderedition erschienen, zusammen mit dem einem Reprint des Original-Drehbuchs und einem Buch mit überaus aufschlussreichen Interviews und Kurzessays zum Film. Cinema Obscura haben den Film in Deutschland mittlerweile mit einer Synchronisation versehen und werden ihn wohl noch dieses Jahr veröffentlichen, auch wenn ich glaube, dass insbesondere Adjani hier schlichtweg nicht zu synchronisieren ist.



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