Deutschland, 1958
Die Comtesse Franziska ist zusammen mit ihrer Zofe, ihrem Verlobten und einem Pfarrer auf dem Weg zu ihrer Vermählung, wird jedoch Opfer eines Räuberüberfalls, dem sie sich nur entziehen kann, indem sie mit dem Handwerksburschen Felix die Kleidung tauscht und er sich an ihrer statt in Gefangenschaft begibt.
Mit „Das Wirtshaus im Spessart“ verfilmte Kurt Hoffmann die gleichnamige Erzählung des deutschen Märchendichters Wilhelm Hauff. Die Drehbuchautor*innen Heinz Pauck und Luiselotte Enderle (übrigens die Lebensgefährtin von Erich Kästner) griffen für den Film jedoch nur die Ausgangssituation der Handlung auf, deren Hauptfigur bei Hauff tatsächlich der Goldschmiedgeselle Felix ist. Stattdessen rückten sie die Comtesse in den Mittelpunkt und machten aus der recht passiven Gräfin der Vorlage eine mutige und selbstbewusste junge Frau, kongenial verkörpert von der wundertollen Liselotte „Lilo“ Pulver.
Der Kleidertausch gibt ihr jede Menge Gelegenheit ihr komödiantisches Talent auszuspielen, wenn sie versucht, vermeintlich männliche Klischees zu erfüllen, um nicht aufzufallen. Positiv zu vermerken ist dabei auch, dass der als Comtesse verkleidete Felix zu keiner Zeit für irgendwelche peinlichen „Männer-in-Frauenkleidern“-Witze herhalten muss, wie eins sie aus anderen deutschen Komödien der Zeit kennt.
Garniert wird das Ganze mit überaus gelungenen musikalischen Einlagen und zahlreichen satirisch-gesellschaftskritischen Seitenhieben, vor allem in Gestalt der beiden Räuber Knoll und Funzel, dargestellt vom wie immer großartigen Kabarettisten-Duo Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller.
Überhaupt ist der Film mit Carlos Thompson als Räuberhauptmann, Günther Lüders als Baron und Helmut Lohner als Felix sowie Hans Clarin, Hubert von Meyerinck, Kai Fischer und Ralf Wolter in Nebenrollen überaus namhaft besetzt.
Zusammen mit der stimmungsvollen Kameraarbeit von Richard Angst und der flotten Inszenierung Kurt Hoffmanns ergibt sich so eine der schönsten und erfolgreichsten deutschen Komödien der 1950er Jahre, die bis heute nichts von ihrem Witz und Charme eingebüßt hat und die nicht umsonst ganz weit oben auf der Liste meiner ewigen Lieblings- und Wohlfühlfilme steht.
1960 entstand mit „Das Spukschloß im Spessart“ eine noch deutlich satirischer angelegte Fortsetzung, die die Handlung originell in der Gegenwart fortführt, aber auch ein paar problematische Elemente enthält. Über den vergeblichen Versuch 1967 nochmals an den Erfolg der Vorgängerfilme anzuknüpfen, möchte ich jedoch vollends den Mantel ewigen Schweigens decken.

Kommentar verfassen