Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Das Spukschloß im Spessart“

Deutschland, 1960

Bewertung: 3 von 5.

Nur zwei Jahre nach seinem Erfolgsfilm „Das Wirtshaus im Spessart“ drehte Kurt Hoffmann die Fortsetzung „Das Spukschloss im Spessart„, in dem gleich zu Beginn eine Handvoll der Spessarträuber zum Tode verurteilt und als Strafe im Keller des Wirtshauses lebendig eingemauert werden.
Als das Wirtshaus Jahrhunderte später abgerissen wird, setzt dies die Geister der Räuber frei, die daraufhin beschließen, das Schloß der damaligen Comtesse aufzusuchen, wo sie auf deren Nachfahrin Charlotte von Sandau treffen.
Inszeniert als „Grusical“ mit zahlreichen schmissigen Musiknummern, weiß der Film einerseits mit satirischen Seitenhieben auf das Nachkriegsdeutschland und die fehlende Aufarbeitung der NS-Zeit zu gefallen, weist zum anderen aber leider auch eine peinlich-rassistische Darstellung eines ausländischen Staatsoberhaupt durch Hans Clarin auf, die ich seit der letzten Sichtung offensichtlich erfolgreich verdrängt hatte. Auch merkt eins deutlich, dass Luiselotte Enderle nicht mehr am Drehbuch beteiligt war, so trägt Lilo Pulver zwar einen feschen Kurzhaarschnitt, vom süffisanten Spiel mit Geschlechterklischees des Vorgängers ist leider nichts mehr zu spüren. Ihre Charlotte ist keine selbstbewusste, rebellische junge Frau wie ihre Vorfahrin, sondern verkörpert bei aller vermeintlichen äußerlichen Modernität leider die Klischees einer heteronormativen Frau der 50er samt Ehe- und Kinderwunsch. Dass der als Love-Interest von Heinz Baumann gespielte Unternehmerssohn Martin Hartog im Vergleich zum charmanten Räuberhauptmann des „Wirtshauses“ fast etwas übergriffig wirkt, macht die Sache aus heutiger Sicht nicht besser.
So erweist sich die Fortsetzung zu einem meiner ewigen Lieblingswohlfühlfilme leider nicht nur im direkten Vergleich als durchaus zwiespältiges Vergnügen, das zwar namhaft besetzt und schwungvoll inszeniert ist, von der zeitlosen Klasse seines wunderbaren Vorgängers aber meilenweit entfernt ist.
Allen, die eine Komödie suchen, die sich mit der fehlenden Aufarbeitung der NS-Zeit im Nachkriegsdeutschland auseinandersetzt, sei übrigens Wolfgang Staudtes ein Jahr zuvor entstandener großartiger „Rosen für Staatsanwalt“ wärmstens ans Herz gelegt.



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