Deutschland, 2024
Ich habe ja in letzter Zeit viel zu Wolfgang Staudte und seinen Filmen über den deutschen Nationalsozialismus geschrieben, und für wie wichtig ich diese auch 60 bis 70 Jahre später immer noch halte.
Zwar gibt es auch heute gute Filme über die NS-Zeit wie z.B. Christian Schwochows „Deutschstunde“ von 2019 oder Jonathan Glazers „The Zone of Interest“ von 2023, dann aber gibt es auch Filme wie „In Liebe, Eure Hilde“ von Andreas Dresen. Ein Film, der die Lebensgeschichte der Widerstandskämpferin Hilde Coppi, die keine 10 Monate nach der bereits im Gefängnis erfolgten Geburt ihres Sohnes im August 1943 im Alter von 34 Jahren hingerichtet wurde, erzählen will.
Doch tut er das nicht wirklich. Zuwenig erfahren wir über die Hintergründe der Widerstandgruppe „Rote Kapelle„, der sie zusammen mit ihrem Ehemann angehörte, zu unmerklich ist das NS-Regime, zu normal geht das Leben weiter in diesem Film.
Und vor allem viel zu wenig erfahren wir über Hilde als Anti-Faschistin, stattdessen gibt es in sonnendurchfluteten Bildern eine Liebesgeschichte, deren emotionaler Höhepunkt die Geburt ihres Sohnes ist.
Seltsam gewählt scheinen Dresens Schwerpunkte in der Erzählung, es entsteht aber auch kein Spannungsverhältnis zwischen dem alltäglichen Leben und den Unternehmungen im Widerstand, denn als viel mehr als Unternehmungen erscheinen sie nicht.
Der große Zwiespalt und Schmerz, den Sophie Scholl einst mit den Worten „So ein herrlicher Tag, und ich soll gehen. Aber was liegt an unserem Leben, wenn wir es damit schaffen, Tausende von Menschen aufzurütteln und wachzurütteln.“ zum Ausdruck brachte und den Lena Stolze in Michael Verhoevens „Die weiße Rose“ so eindringlich verkörperte, bei Dresens Hilde Coppi ist davon nichts zu spüren.
Somit bleibt „In Liebe, Eure Hilde“ nicht nur eine vertane Chance, dem Publikum eine weniger berühmte Widerstandkämpferin nahe zu bringen, sondern ist in seiner fehlenden Auseinandersetzung mit der Lebenswirklichkeit während der NS-Zeit von gerade heutzutage erschreckender Sorglosigkeit.

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