Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„The Night Comes for Us“

Indonesien, 2018, Netflix

Bewertung: 3 von 5.

Im Ausland ansässige Streamingdienste wie Netflix unterliegen nicht den deutschen Richtlinien zum Jugendmedienschutz. Zwar hat sich Netflix der FSF, der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen angeschlossen, wodurch sie sich verpflichten, ihre Sendungen mit Altersfreigaben zu versehen. Die Prüfung von Eigenproduktionen obliegt dabei aber dem jeweiligen Streamingdienst selbst.
Nur so lässt es sich erklären, wie ein Film wie „The Night Comes for Us“ in Deutschland ungeschnitten vom Sofa aus geguckt werden kann, denn eine Freigabe für Heimmedien von der FSK hätte er sicherlich so nicht bekommen.
Es war immer wieder gerade das asiatische Kino, das die Gewaltdarstellung in Actionfilmen auf ein neues Level gehoben hat, seien es die japanischen Yakuza-Filme von Kinji Fukasaku („Battles Without Honor and Humanity„) in den 70ern, das Heroic Bloodshed Kino eines John Woo („The Killer„, „Bullet in the Head„) aus Hong Kong in den späten 80er Jahren oder die Blutfontainen-Orgien des Japaners Takashi Miike („Ichi„, „Dead or Alive„) in den 90ern und 2000ern.
Seit ein paar Jahren, spätestens seit „The Raid“ aus dem Jahr 2011, hat sich das indonesische Kino dazugesellt, allen voran das als Mo Brothers bekannte Filmemacher-Duo Kimo Stamboel und Timo Tjahjanto, die jedoch seit dem 2016er Erfolg „Headshot“ getrennte Wege gehen und selbsttätig weiter Filme machen.
Tjahjantos „The Night Comes for Us“ setzt die Tradition der Mo-Brothers-Filme fort und leidet damit leider auch am gleichen Problem. Sie rennen Gareth Evans „The Raid“ hinterher ohne dessen Klasse zu erreichen.
Ja sicher, die Geschichte um einen Triaden-Killer, der zusammen mit seinen Gefährten ein Mädchen vor anderen Killern beschützen will, setzt auf Evans Klassiker gewalttechnisch hier und da noch mal deutlich einen drauf, und wer im Detail wissen will, was eins mit menschlichen Körpern im Nahkampf mit Macheten, Fleischerhaken, Cuttermessern, Billardkugeln und Drahtseilen so alles anstellen kann, kann gerne in Tjahjantos Film reinschauen.
Tricktechnisch ist das alles sehr überzeugend gemacht, ohne den lästigen Einsatz von CGI, aber dafür mit dem einen oder anderen Hektoliter Kunstblut, wobei letzteres nie übertrieben zum Einsatz kommt. Die große Menge ergibt sich allein aus der schier unermesslichen Schar von zumeist völlig gesichtslosen Gegnern, aus der allein die beiden Killerinnen Elena und Alma in Erinnerung bleiben.
Gefilmt sind die Kämpfe meist im Wechsel zwischen langen ruhigen Einstellungen und einer sich zwischen den Kämpfenden hindurchbewegenden Kamera, wodurch das Geschehen zwar stets sehr gut nachvollziehbar ist, ihm aber auch irgendwie die kinetische Kraft fehlt, die eins mitreißt.
Und da es weder wirklich interessante Charaktere noch sowas wie eine Geschichte gibt, wird das Ganze irgendwann ermüdend.
Tjahjantos Film „The Big 4„, der auch auf Netflix läuft und den ich letztens (das war auch schon 2023, von damals stammt nämlich dieses Review“) im Halbschlaf geguckt hatte, fand ich da deutlich unterhaltsamer. Weniger gewollt grimmig, eher im Gegenteil, recht überdreht mit schrägen Charakteren, aber immer noch extremen Gewaltdarstellungen, die jedoch durch Komik gebrochen werden. Fragt mich aber bitte nicht nach der Handlung.



One response to “„The Night Comes for Us“”

  1. […] nicht auch heißen soll, dass der Film des indonesischen Action-Regisseurs Timo Tjahjanto („The Night Comes for Us„, „The Big 4„) keinen Spaß machen würde. Es gibt wie gewohnt eindrucksvoll […]

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