Olivers Filmwelten

Aus Leidenschaft zum Film


„Dark Circus“

Deutschland, 2016

Die junge Berlinerin Johanna lässt sich durch ihr Leben treiben, gelangweilt und unzufrieden, und der Verlust ihres Job als Friseuse treibt sie nur noch tiefer in Depression und Selbstverletzung. Doch dann erscheint ihr ein seltsam gewandeter Mann, der sie in eine andere Welt lockt… eine Welt voller obskurer Gestalten und dunkler Rituale.
Annika Strauss in einer Nebenrolle dürfte die einzige professionelle Schauspieler*in im zweiten Spielfilm der deutschen Dokumentar- und Independent-Regisseurin Julia Ostertag sein, der Rest der Darsteller*innen rekrutiert sich aus verschiedenen Berliner Untergrundszenen von Fetisch über Gothic bis BDSM.
So ist es auch wenig verwunderlich, dass das Ganze über weite Strecken recht steif wirkt und die okkulten Rituale mehr den Charme von Live-Action-Role-Playing als den eines Horrorfilms verbreiten, den die Regisseurin ursprünglich mal drehen wollte.
Letztendlich herausgekommen ist ein Low-Budget-Film über den Abstieg einer jungen Frau in die dunkle Welt der eigenen Bedürfnisse, über Transformation durch Transgression, gespickt mit BDSM- und Fetisch-Performances, die tatsächlich wie ein Besuch in einem „Dark Circus“ wirken, bei dem Außenstehende gucken und staunen dürfen, verstehen werden sie aber wenig.
Jenen, die sich dafür interessieren, wie z.B. BDSM tatsächlich „funktioniert“ (sofern sich das überhaupt innerhalb eines Filmes erklären lässt), empfehle ich daher eher Monika Treuts „Verführung: die grausame Frau“ oder Peter Stricklands brillanten „The Duke of Burgundy„.
Für jene, die sich den oben genannten Szenen zugehörig oder verbunden fühlen, dürfte Julia Ostertags Liebeserklärung an die dunklen Seiten des Lebens und der Sexualität eher geeignet sein, sofern sie kein gelacktes Hochglanzprodukt erwarten.
Und wer nicht, wie ich, versuchen will des lange vergriffenen Mediabooks zu einem halbwegs akzeptablen Preis habhaft zu werden, kann ausprobieren, ob das Angebot auf der Videoplattform Vimeo noch existiert und die Regisseurin bezüglich des Links über die FB-Page oder die offizielle Seite ihres Filmes kontaktieren.



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