Frankreich, 1995
„La Haine“ machte seinen damals gerade 28 Jahre alten Regisseur Mathieu Kassovitz und seine jungen Hauptdarsteller Vincent Cassel, Saïd Taghmaoui und Hubert Koundé über Nacht zu Stars.
Die Geschichte über drei arbeitslose Jugendliche aus einem Pariser Vorort war keine dieser 90er Jahre Slacker-Komödien, sondern eine schonungslose Studie über die Folgen von Perspektivlosigkeit und Polizeigewalt, die jene Wahrheiten ungeschönt aussprach, vor denen die französische Obrigkeit und Öffentlichkeit all zu gerne die Augen verschlossen hielt.
Ganz besonders in Erinnerung bleibt neben der Schlusseinstellung, die mir auch jetzt bei der erneuten Sichtung noch Schauer über den Rücken laufen ließ, eine Szene, in der zwei Polizisten einem Kollegen an zwei der Jugendlichen verschiedene Schmerzgriffe vorführen, während sie die beiden dabei rassistisch und schwulenfeindlich beschimpfen.
Die eindringlichen Schwarzweiß-Bilder von Kameramann Pierre Aïm fangen den Alltag in den Pariser Vororten mit einer ganz eigenen Poesie ein, deren Schönheit die Trost- und Hoffnungslosigkeit nie übertüncht, sondern gerade durch den Kontrast noch viel spürbarer macht.
Auch dreißig Jahre später hat „La Haine“ nichts von seiner Wirkung und Bedeutung verloren, darf aber leider auch als trauriges Beispiel dafür dienen, dass Filme wie dieser zwar für kurze mediale Aufmerksamkeit sorgen, sich aber dadurch an den beschriebenen Missständen nur selten wirklich etwas ändert.

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