Dänemark, 2024
Karoline (Vic Carmen Sonne) lebt gegen Ende der Ersten Weltkriegs allein in einer kleinen Wohnung in Kopenhagen, ihr Mann ist im Krieg verschollen, weswegen sie keine Witwenrente bekommt und ihr Lohn als Uniform-Näherin in einer Fabrik reicht gerade so zum Leben, aber nicht um die Wohnung zu halten. Als sie eine Affäre mit dem Fabrikbesitzer Jørgen beginnt und von ihm schwanger wird, verspricht dieser sie zu heiraten, hält aber unter dem Druck seiner Mutter sein Versprechen nicht.
Im Wissen, das Kind nicht allein ernähren zu können, wendet sich die verzweifelte Karoline an die Adoptionsagentur von Dagmar Overby, und weil sie das nötige Geld nicht hat, beginnt sie dort zu arbeiten…
Der Film des dänischen Regisseurs Magnus von Horn erzählt in den kunstvoll-düsteren Schwarzweiß-Bildern des Kameramannes Michał Dymek von einem harten Frauenschicksal in harten Zeiten, doch so richtig berühren will es uns nur selten.
In einer Szene sehen wir, wie in einem Kuriositätentheater ein durch den Krieg entstellter Soldat der Schaulust des Publikums dargeboten wird, damit es über dem Ergötzen an seinem Leid das eigene für einige Augenblicke vergisst.
Leider merkt der Regisseur nicht, dass sein Film auch immer wieder in genau diese Falle tappt. In den künstlich stilisierten Bildern sind Armut und Verzweiflung schön anzusehen und werden einfach konsumierbar, und bilden so den hübschen Hintergrund für eine Schauergeschichte, die uns gruselt, wo sie uns erschüttern sollte.
Anders als Veronika Franz und Severin Fiala in ihrem ebenfalls 2024 entstandenen und thematisch durchaus verwandten Meisterstück „Des Teufels Bad„, in dem sie historische Fakten durch balladeskes Erzählen zu einem ergreifenden Einzelschicksal verdichteten, dessen ganze Tragweite sich erst am Ende offenbart, gelingt es Magnus von Horn nicht, aus dem Schaukastenmodus auszubrechen und uns dorthin mitzunehmen, wo es wirklich wehtut. Anlass dazu böte das Thema seines Filmes mehr als einmal.

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